Meine allererste Hochzeitstorte

Als meine Tante mir sagte, dass sie noch einmal heiraten wird und sie gerne hätte, dass ich ihre Hochzeitstorte mache, war ich ganz hin und weg – und sch*** NERVÖÖÖÖS 😀

Sie gab mir Farbvorlagen und schickte mir Bilder von Brautsträußen, damit ich eine Vorstellung hatte wie die Torte ungefähr aussehen soll damit sie auch hineinpasst ins Bild. Es ist nämlich genau diese eine Tante, die auch sooo toll dekorieren kann. In ihrem Haus ist alles perfekt stimmig und natürlich soll da auch die Hochzeit perfekt und stimmig werden.

Und das war sie auch! Ich war noch nicht auf vielen Hochzeiten in meinem Leben aber diese eine war… besonders.

Es war klein, ruhig, es war gute Stimmung (trotz des tragischen Ereignisses 3 Wochen zuvor) und alle konnten loslassen und genießen. Und ich bin richtig stolz, dass auch meine Torte genossen wurde. Zweimal. Mit den Augen und mit dem Gaumen…

Nach der Hochzeit hat meine Tante die Rosen vorsichtig mit nach Hause genommen und sie in einem wunderhübschen Gesteck aufbewahrt.

Diese Rosen waren meine ersten „richtigen“ Rosen – obwohl ich sicher noch Übung vertragen kann und mich verbessern kann bin ich dennoch sehr stolz. Ich konnte erst 12 Tage vor der Hochzeit langsam mit den Rosen beginnen wo ich noch gar nicht sicher war ob die Hochzeit auch tatsächlich stattfinden würde. Die Angst, dass dieses schöne Ereignis überschattet werden könnte war groß. Ich bin aber sehr froh, dass sich meine Tante und ihr Mann entschieden haben der Trauer zu trotzen und lieber ein Gläschen auf jene zu trinken, die nun nicht mehr unter uns weilen. Denn erst in solchen Situationen weiß man was wirklich wichtig ist und dass das Leben manchmal einfach zu kurz sein kann.

So ging es also los: 12 Tage vor der Hochzeit in Rekordarbeit bei Rekordhitze von 35° . Somit blieben mir nur die Nächte und sogar da war es verflucht warm, was für Arbeiten mit Zuckermassen nicht gerade förderlich ist.

Mit vereinten Kräften der halben Familie (hier geht besonderer Dank an meine Mutti, meine Schwester Tanja und der besten Rosl die man nur haben kann) haben wir in Fließbandarbeit ausgestochen, ausgerollt, ausgedünnt und drangeklebt – während wir gleichzeitig noch die Lieder für den kirchlichen Segen übten. Verrückt oder?! 😀

Als es dann endlich soweit war mussten die 3 Torten-Stockwerke jeweils in einer Kühlbox im Kofferraum ca 80km Autofahrt überstehen – natürlich wieder bei 35° (diesmal aber Gottseidank morgens).

Die 3 Stockwerke bestanden aus ganz unten Schokoschoko gefüllt mit Marmelade und eingestrichen mit Zartbitterganache, Mitte Nuss mit Mandelbuttercreme und oben Topfen-Heidelbeer mit weißer Ganache.

Die Torten kamen Gottseidank halbwegs heil an, nur die Buttercreme-Torte sammelte Eindrücke in ihrer Box während der Autofahrt. Meine Tante schwört jedoch, dass das wohl nur ich gesehen habe 😉

Dort angekommen musste ich nach diesem „Himmelfahrtskommando“ die Torte erst noch zusammensetzen, in einem – wie sollte es anders sein – geschätzt 30° heißen Raum ohne Klimaanlage.

Da stand ich also. Zitternd, rote Flecke am ganzen Körper, mit einem leichten Schwindelgefühl und versuchte die 3 Stockwerke welche natürlich nun NICHT mehr durchgekühlt waren heil übereinander zu bringen. Ich kann euch sagen, ich wäre dort fast einem Nervenzusammenbruch erlegen… Glücklicherweise hatte ich im Vorhinein schon Hilfe und Tipps bekommen wie ich am Besten vorgehen und meine doch sehr groß und schwer geratenen Rosen wasserfallartig anbringen soll.
Diese hatte ich am Vortag schon in mit Royal Icing gefüllte Strohhalme gesteckt und in einem Styroporblock dick eingewickelt mit Küchenpapier auf meinen angespannten Knien transportiert.
Durch die schon sehr aufgeweichte Buttercreme wollten sie dennoch fast abrutschen aber ich habe sie dann geschickt platziert, damit sie von unten gestützt wurden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und mindestens 1000 staunenden und schulterklopfenden Onkeln, Tanten, Omas, Mamas, Schwestern und Cousinen war ich dann endlich fertig und die Torte konnte in den Kühlraum gebracht werden. Ich hätte auch einen gebrauchen können – es blieb aber dann doch nur bei einer Dusche, denn die standesamtliche Trauung war nicht mehr weit.

Den restlichen Tag genoss ich so gut es ging, denn ich war schon so nervös ob denn die Torte meiner Tante auch gefallen würde, dass ich es kaum erwarten konnte bis sie reingebracht wurde.

Und dann war sie da.

Fotos wurden gemacht, gestaunt wurde, gratuliert wurde, umarmt wurde und es war so ein erfüllender Moment, der all die Strapazen wieder vergessen lässt.

Und jetzt, jetzt dürft ihr sie euch ansehen: Meine allererste Hochzeitstorte.

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2 Gedanken zu “Meine allererste Hochzeitstorte

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